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Die Eröffnung der OTM-Tankstelle

Die OTM-Tankstelle

Dann ist die Eröffnung von der Tankstelle, und alle sind natürlich da. Der Simmerl ist da mit einem blitzsauberen Kittel und schleppt eifrig tonnenweise Wurstsemmeln in den Verkaufsraum. Der Flötzinger ist da und trägt heute Krawatte, schließlich hat er die Heizung eingebaut. Sogar der Landrat ist gekommen und sagt ein paar unvermeidbare Worte in ein Mikrofon, das ständig pfeift. Die zwei Anzüge sind auch da und haben’s mordswichtig. Und sie verteilen Tankgutscheine an Kinder potentieller Kunden. Die Oma kriegt auch zwei, weil sie eine Kappe trägt, tief im Gesicht, und halt dank ihrer Größe und Jacke gut als Kind durchgeht. Und sie freut sich.

Ganz am Rand steht der Neuhofer, und ich kann es mir nicht verkneifen, zu ihm hinzugehen und zu sagen: »Du, Neuhofer. Weißt du eigentlich, was die OTM bezahlt hat für euer Grundstück?« Er schüttelt den Kopf und schaut mich erwartungsvoll an. Ich genieß meine Überlegenheit und lass mir ein bisschen Zeit. Dann sag ich ganz leise: »Fünf-hundert-tausend!«

Wie’s dem Hans jetzt schlecht wird, kann man direkt sehen.
Er starrt mich an und ist quasi blutleer. So was Blasses hab ich vorher noch nie gesehen. Höchstens noch die Kartoffelknödel von der Oma. Wobei es da auf die Kartoffeln ankommt. Die Sommerkartoffeln sind viel mehr gelb als die Winterkartoffeln. Und drum sind auch die Knödel im Winter heller. So eben wie der Neuhofer. Ja, der hat jetzt genau die gleiche Farbe wie ein Winterkartoffelknödel.

Dann wendet er sich ab und verschwindet in der Menge.

(Auszug aus »Winterkartoffelknödel«)